Heute war nicht viel geplant, außer: Wir wollten nach Touba !
Was zuerst entfernt an ein Blechblasinstrument erinnert ist eine heilige islamische Stadt etwa 200 km östlich von Dakar im Landesinneren.
Um diesem Ziel näher zu kommen stärkten wir uns zunächst wie gewohnt im „La Galette“ und verabschiedeten uns freundlich von unserem netten Hostel.
Dann ging’s wieder zu unserem Sammeltaxiplatz am Stadteingang. Mittlerweile ist auch das schon Routine =) Wir haben schnell die richtige Rostlaube gefunden, durch das übliche „Katz und Maus“-Spiel zwei tolle Plätze im Font ergattert.
| Unser Sammeltaxi |
| Ein alter Motorblock muss natuerlich auch mit... |
| ...der wird auf dem Dach festgezurrt |
Während der Wartezeit bis zum Losfahren, die bei diesen Fortbewegungsmitteln obligatorisch ist, haben wir uns ab und zu mit Moudu unterhalten.
Moudu saß mit uns im Taxi und wohnt in der Nähe von Touba, in Mbaké. Er ist 41 (sieht aber aus wie 28) und arbeitet seit 11 Jahren auf den kanarischen Inseln. Dort schlägt er sich mit allen möglichen Nebenjobs durch und betreibt ab und zu Import von „günstigen Qualitätswaren“ aus Europa in den Senegal. Heute will er seine Familie besuchen.
Die fahrt war heiß, eng und dauerte etwa 4 Stunden. Zum ersten Mal seit wir im Senegal waren regnete es…und zwar in Strömen.
| Unsere Plaetze auf der winzigen zweiten Rueckbank...aber auch daran gewoehnt man sich =) |
Mangels Unterkünften in der heiligen Stadt stiegen wir mit Moudu in seinem Heimatort 7 km vor Touba aus. Schnell hatten wir ein Hotel gefunden und Moudu fragte, ob wir nicht mit zu ihm kommen wollten. Ja klar! Cool =)
| Das ist Moudu |
Bald waren wir bei ihm Zuhause und durften die ganze Familie kennen lernen. Den sehr religiösen Papa, seine 2 Frauen, die Schwester, Onkel, Kinder…alle.
Die ganze Familie wohnt in einem einfachen aber ziemlich großen Haus. Moudu hat das finanziert mit seiner Arbeit in Europa. Er arbeitet also eigentlich nicht nur für sich selbst, sondern für den ganzen Clan.
Hier gibt die Bank keine Hauskredite also wird gebaut wenn Geld da ist. Sein Haus sieht schon recht fertig aus und zumindest jeder Familienzweig hat im Haus sein eigenes Zimmer.
| Moudus Frau und sein kleinster Sohn |
| ...und die Oma =) |
| Abends auf der Dachterrasse |
Bemerkenswert. Auf der einen Seite wie selbstverständlich er für alle mit aufkommen muss, aber auch wie schön eine so große Familie ist. Da sitzen alle vor der Tür, reißen Witze, überall ist jemand, überall tollen die Kinder herum.
Auch wir waren eine Attraktion und Moudu hat uns gleich mit zum Essen eingeladen.
Danach durften wir mit ihm noch eine Runde durch sein Viertel drehen. Auch hier kennt jeder jeden. Kinder grinsen, verstecken sich verschämt. Die Schwester der Schwägerin wird aufgezogen und in die Wange gekniffen. Jeder kennt jeden. Das Leben spielt auf der Straße, obwohl die Dunkelheit schon längst hereingebrochen ist.
Das ist ein Teil des anderen Afrika. Die Menschen sind natürlich und freundlich.
Man wird nicht alle 50 m angesprochen oder angebettelt wie in Dakar oder am Lac rose. Hier fühlt man sich frei und ungezwungen. Nicht wie ein laufender Geldbeutel.
Moubus Sohn begleitet uns. Er geht in die Koranschule, doch er lernt auch Französisch. Das ist Moubu wichtig. Er soll sich später auch in der Welt verständigen können. In Moubus Familie sprechen nur wenige Französisch – Wolof spricht man hier, wie fast überall im Senegal. Seine Frau hat nie eine Schule besucht.
Bald war unser Besuch auch schon vorbei und wir mussten zurück ins Hotel. Morgen geht’s rein nach Touba.
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