Am Morgen erkundigte ich mich wie man am besten nach Saint Louis kommt. Das ist eine Stadt nördlich von Dakar an der Küste, nahe der Grenze zu Mauretanien.
Früher war das mal die Hauptstadt von den 7 westafrikanischen Kolonien der Franzosen, also schon ziemlich wichtig.
„Am ‚gare routiére’ (das ist im Prinzip ein Busbahnhof, nur hier darf man es mit dem Begriff ‚Bus’ nicht so genau nehmen)“, meinte unsere Hotelfrau, “da fahren regelmäßig Sammeltaxis los.“
Die Sammeltaxis sind zieeemlich ranzige alte Rostlauben. Eigentlich sind es einfach alte Kombis in deren Kofferraum noch eine Pseudositzbank gebaut wurde, um sie auf 7 Sitze zu pimpen. Dann werden so viele Leute wie möglich reingestopft, ein Berg Gepäck aufs Dach gebunden und los geht’s.
Nach dem Frühstück und dem Einpacken...
...standen wir nun also am „gare routiére“.
| Im Taxi zum gare routiére |
Ein riesiger umzäunter Dreckparkplatz mit einer kleinen Tankstelle auf dem hunderte der besagten Sammeltaxis standen. Dicht gedrängt, mehr oder weniger zugeparkt.
Wir entschieden uns aufgrund des besseren Preises und der Aussicht einen Sitzplatz mit mehr Beinfreiheit zu ergattern für einen der größeren Busse.
Sowas gibt’s da auch. Da passen nur mehr Leute rein und das Gepäck der zusätzlichen Leute muss halt auch irgendwie aufs Dach…
Im Nachhinein stellte sich das als keine besonders gute Idee heraus, denn der Bus fuhr einfach nicht los. Mit 1-2 Stunden warten hatten wir schon fast gerechnet, das gehörte irgendwie dazu. Doch nach einer gewissen Weile (wir waren um 12 Uhr Mittags eingestiegen…langsam wurde es 16 Uhr) war der Bus sogar wieder etwas leerer geworden und wir hatten keine Lust mehr. Vielleicht doch so ein Sammeltaxi?
Leider hatten wir in unserem Übermut den Fahrpreis schon vorher entrichtet.
Tut das nicht.
Der Kassierer sah aus wie alle anderen und in dem Trubel war er nicht wieder zu entdecken. Wir saßen also fest und mussten warten bis der Bus losfuhr.
Wir haben uns also bei fliegenden Händlern mit Keksen und Bananen eingedeckt, haben unsere Spielkarten rausgeholt (die hübschen bayrischen mit den Blättern und Eicheln drauf) und Fabi hat uns Schafkopfen beigebracht =)
Dann haben wir gespielt (behelfsweise mit einem Fantasiemitspieler denn für Schafkopfen braucht man 4). Man wird also kreativ in Afrika, wenn man irgendwo festsitzt oder lange auf etwas warten muss.
Ich denke das wird uns noch sehr oft passieren, denn alles was in Südamerika nicht funktioniert oder lange gedauert hat scheint hier noch einmal um ein paar Längen getoppt zu werden =)
Die ganze Aktion dauerte bis knapp nach 19 Uhr abends. Wir saßen also nun 7 Stunden in diesem Bus auf dem Parkplatz und die Sonne versank langsam am Horizont. Es stiegen Leute ein, es stiegen Leute aus und wenn man jemanden fragte verstand er entweder nur sehr schlecht Französisch oder wusste wie erwartet auch nicht wann’s los geht.
Nun ging es also los. Ich hab versucht ein bisschen zu schlafen. Die Fahrt sollte 5-7 Stunden dauern.
Schwache grüne Lampen, ohrenbetäubender Lärm. Es hatte etwas von einem Fiebertraum. Mein Nebenmann unterhielt sich in Stadionlautstärke in einer Sprache, die an Arabisch erinnerte. Ab und zu schlug jemand laut mit der flachen Hand auf das Blech der Rückwand um zu bedeuten, dass er aussteigen möchte. Der Bus hielt sehr oft. Sobald das geschah, begannen viele der Fahrgäste ein wildes Gefeilsche mit den Straßenverkäufern die einem aus dem Dunkel der Nacht durch die Fenster Waren ins Gesicht streckten. Der Busfahrer durfte - zurückgehalten durch laute Haltrufe - erst wieder losfahren, wenn der Letzte sein Geschäft gemacht hatte.
Um 3 Uhr nachts kamen wir in Saint Louis an. Kleine Kinder kletterten in Flip-Flops in etwa 6 m Höhe auf dem hohen Gepäckberg herum, der sich auf dem Busdach befand. Sie gruben unsere Rucksäcke aus.
Angelangt bei unserem Hostel waren wir todmüde. Es war zwar sehr schön, aber der Nachtportier wollte weder einen Millimeter vom hohen Zimmerpreis abrücken, noch uns eine Minute mehr Checkout-Zeit verschaffen. Am nächsten Tag erfuhren wir wieso. =)
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