Donnerstag, 30. Juni 2011

30.06.2011 – Boa Vista I: Flug ins Ungewisse

Es war alles organisiert. 

Wir sind früh aufgestanden um 3 Uhr und hatten uns am Tag davor ein Taxi für 4 Uhr bestellt. Das war auch super pünktlich da und beim Einladen hat der Herr noch grummelnd gemeint, dass es ja schon 4:04 Uhr wäre. Und das auf den Kap Verden =)

Wir waren also früh und ohne Stress am Flughafen – wir werden immer besser.
Ob wir jetzt wirklich mit diesem Flieger fliegen war allerdings noch völlig unklar.
Der Ticketschalter der Fluggesellschaft machte erst später auf. Als die Dame dann eintraf eröffnete sie uns, dass wir auf den falschen Tag reserviert wurden…waaaah!

Also haben wir versucht das wieder gerade zu biegen und haben uns auf die Warteliste für den Flug setzen lassen mit dem wir eigentlich fliegen wollten. Nach etwas bangen die Erlösung: Ein paar Fluggäste kamen nicht. Wir sind dabei.
Das Ticketbüro am Flughafen
Mit einem kleinen Propellerflieger gings dann los. Anschnallen und ab in die Wolken.

Unser Flieger =)

Nach 30 Minuten Flug erreichten wir die Insel Sal (Salz). 



Hier hatten wir eine Zwischenlandung und Frühstückten mit Gratis-WLAN. Voll modern, wie auf den Plätzen in der Stadt. Internet für jeden ist ne tolle Idee.

Toiletten-Spaß =)

Danach flogen wir weiter nach Boa Vista. Das war wohl der kürzeste Flug meines Lebens. Abheben und nach 15 Minuten waren wir auch schon wieder unten. Lohnt sich das?
Der Flughafen hatte ein bisschen was von einer hübschen nordafrikanischen Burg. Das haben sie bestimmt für die Touristen so hergerichtet, die dann glauben, hier sähe es wirklich so aus =)


Dieser Airport liebt mich =)
Auffällig schon hier: Jeder 2te spricht hier Französisch. Mit der Zeit haben wir rausgefunden, dass das zum einen an den vielen Einwanderern aus Guinea und anderen afrikanischen Staaten liegt (dort spricht man meist Französisch), und zum anderen an den vielen französischen Touristen die hierher kommen. Außerdem lernt man es in der Schule. Verrückt.
Durch die Dünen auf dem Weg in die Stadt
In der Stadt mussten wir uns dann eine nette Herberge besorgen. Der Taxifahrer hatte uns schon vor die offene Tür eines Billigetablissements gefahren, jedoch war auch nach eingehender Untersuchung niemand zu finden. Ich hab mich dann beim Nachbarrestaurant durchgefragt, wo denn der Besitzer sei.

„Die Straße runter, er heißt Moain.“

Letztendlich landete ich dann bei Moain vor der Haustür, seine Frau öffnete. Er selbst, ein vollschlanker älterer Herr, schälte sich gelangweilt in sein Hemd und begleitete mich.

Nach zähen Verhandlungen hatten wir dann ein Zimmer. Super =)

Jetzt fehlte noch eine Tauschschule.

Nach dem Mittagessen (wir stellten fest, dass wir mit dem Hostel Glück hatten, alles andere ist nämlich verdammt teuer hier)...

Auf der Suche nach einem Restaurant



Tuhnfisch...der ist ganz schön groß


...gingen wir den Strand hinunter. Hier sollte es eine Tauschschule geben.

„Einfach aber effizient.“

In drei alten rostigen Schiffscontainern am Strand einquartiert, fanden wir dann das „Tauchcenter“. 




Die Preise waren etwa das Doppelte von unserer Vorstellung und der Lehrer (Einmannbetrieb zusammen mit seiner italienischen Frau) meinte, dass wenn wir zweimal gehen sollten wir zwischendrin eine Pause machen. Wir seien ja noch Anfänger.
Diese rücksichtsvolle Vorsicht löste sich allerdings alsbald auf als wir den Preis drücken wollten. Da sollte die Pause dann ausfallen.

Wird denn billiger wenn noch mehr kommen?
„Nein das ist nur gut für mich“, sagte er grinsend.

Irgendwie brauchte ich darauf erstmal ein Bier…
Das fanden wir auf einem Balkon gleich nebenan. Mit einer Gitarre und weißen Stoff-Stühlen bewaffnet, wurde Kriegsrat gehalten. Das andere Hotel das taucht ist noch viel teuer und etwas anderes gibt es nicht. Also werden wir wohl nur einmal tauchen und uns das Equipment vorher genau ansehen – man will ja wieder kommen.

Am Abend haben wir noch lecker Fisch gespeist, eine kleine Capoeira-Show auf dem Marktplatz gesehen...



...und dann ging’s schon ins Bett

Mittwoch, 29. Juni 2011

29.06.2011 – Santiago II: Mit 19 Personen in einem Minibus nach Tarafal

Heute mussten wir uns zuerst um einen Flug kümmern, nach Boa Vista, eine andere Insel im Nordosten von Santiago. Unser Werbungs-Touristen-Heft bescheinigt Boa Vista traumhafte Tauchgebiete, ein Korallenriff-Gürtel soll die Insel umgeben. Die Anzahl der Schiffwracks, zu denen man tauchen kann, ist angeblich überdurchschnittlich hoch. Bis Mitte Mai kann man hier sogar manchmal Wale sehen, ansonsten kann man wohl – ebenfalls mit etwas Glück – Delfine, Schildkröten, Rochen und Haie zu Gesicht bekommen. Außerdem sind Teile der Insel mit Sanddünen gesäumt, man kann Quads ausleihen oder (Wind-)surfen. In den nächsten Blogs werdet Ihr sehen, ob die aus den Beschreibungen entstandenen Erwartungen erfüllt wurden.

Wir waren also bei der Fluggesellschaft. Kurz und knapp das Ergebnis: Ob wir fliegen können ist noch unklar, die Angestellte ruft uns am Nachmittag an.

Wir sind indessen nach Tarrafal, das im Norden von Santiago liegt, gefahren. Bevor es losging führten wir in etwa folgenden Dialog:

Junger Mann: „Wo wollt ihr hin? Nach Tarrafal?“
Wir: „Ja. Was soll’s denn kosten?“
Junger Mann: „500.“
Wir: „400.“
Junger Mann: „450.“
Wir: „OK. Und wann fährst Du los?“
Junger Mann: „Jetzt.“

„Jetzt“ war relativ. Wir standen da, eingeparkt von anderen Fahrzeugen. Außer uns war ein anderer Fahrgast drin gesessen. Wir haben gewartet, ich habe einen kurzen Rundgang durch den Markt gemacht, der direkt nebenan war.
Krüge- und Korbverkauf
Der Markt... ...da hätte ich auch noch länger rumschlendern können...=)
Der wartende Arnili im Kleinbus
 So manchen Kleinbus nach Tarrafal haben wir wegfahren sehen. Unserer wurde noch geputzt.
Irgendwann war’s uns dann zu blöd und wir haben uns entschieden umzusteigen. Das ging sehr schnell und das andere Collectivo ( = Kleinbus ) verließ auch gleich den Bereich, in dem sich die Kleinbusse tummeln. Ich schreibe bewusst nicht, dass es losfuhr. Der Wegweiser nach Tarrafal wurde missachtet, stattdessen waren wir in Richtung Hafen unterwegs. Dann dahin, dann dorthin, ganz langsam mit viel Gehupe. Irgendwann waren wir wieder da, wo wir ursprünglich waren.
Zweck der Aktion war es, weitere Fahrgäste für die Fahrt zu gewinnen. Aber muss man dafür denn wirklich eine halbe Stunde im Kreis fahren? Können die Leute nicht zur zentralen Haltestelle kommen? Oder man macht einen Fahrplan, wo man wann einsteigen kann; dann kann man die Runde wenigstens schneller drehen. Anderthalb Stunden nach dem vorherigen Dialog ging’s dann wirklich los. Ein langes „jetzt“…

Die Fahrt war dafür spannend. Die Insel ist sehr sehr karg. Es wächst so gut wie nichts. Abwechslung bringen aber die Berge, die sich in grotesken Figuren über die Insel erstrecken. Die Gipfel sind nicht selten sehr schmal oder spitz, es gibt Canyons und alles ist braun. Irgendwie hat das seinen eigenen ganz speziellen Reiz.
Ein Beispiel für die aufwendigen Frisuren, die man hier zu Hauf findet
Auf der anderen Seite der Insel fallen die Berge stark ab und man ist auf einmal in Tarrafal an der Küste. Dort kann man sehr lecker Fisch essen und einen schönen Strand in einer Bucht genießen. Schwimmen waren wir auch. Hmmmm, voll geil…
Die Treppe zum Restaurant
Am späten Nachmittag ging’s mit dem gleichen Collectivo wieder zurück. Diesmal kamen wir beim Einsammeln der Leute fünf Mal am Busbahnhof vorbei. Beim Losfahren war die Auslastung schon ganz gut und es stiegen mehr und mehr Fährgäste zu. Die Kleinbusse haben in etwa die Größe eines Sprinters oder eines VW-Busses. Es gibt fünf Sitzreihen a drei Plätze. Mit Fahrer passen also 15 Leute mehr oder weniger bequem hinein. Am Schluss waren wir 15 Erwachsene, einige Rucksäcke, vier oder fünf Plastikwannen voller Gemüse, ein Sack Reis und drei kleine Kinder. Ein Vorgeschmack auf Afrika=)

Wieder in Praia angekommen haben wir unsere Wäsche, die wir in die „Privatwäscherei“ um die Ecke gegeben haben, abgeholt. Die Frau hat uns sogar alles gebügelt. 7 kg Wäsche – Trockengewicht. „Hätt’s ned braucht!“, sagt der Bayer, „aber schee is trotzdem.“ (Übersetzung: Das wäre doch nicht nötig gewesen; Freude überkommt uns dennoch=))

Ja, und die Angestellte der Fluggesellschaft hat uns natürlich nicht angerufen. Daher der Plan: Um 06:00 Uhr morgens am Flughafen sein und unser Glück versuchen. Wir haben einen Taxifahrer auf 04:00 Uhr bestellt.
Das war unsere Hostelfrau. Es war gerade Stromausfall und sie stand mit der Kerze da. Da sah ich, wie cool das mit dem Schatten aussieht. Und 1,2,3... Foto!
 
Fabi