Mittwoch, 8. Juni 2011

08.06.2011 - Die schöne Altstadt, ein Leuchtturm und wilde Rituale

In unserem netten Hotel am Praca da Se, gabs leckeres Frühstück. Mit soviel Kakao wie man wollte aus gaaaanz großen Tassen.

Gut gestärkt zogen wir also los. Es stand Altstadt auf dem Programm. Salvador ist wirklich eine richtig schöne Stadt. Trotz der Armut die hier immer wieder zu finden ist, durch bettelnde Kinder und Menschen, die auf der Straße schlafen. Viel mehr als ich das bisher in Rio oder Sao Paulo gesehen hatte. Sie hat viele schöne koloniale Gebäude, Kirchen und kleine Gässchen.

Zuerst haben wir uns die vielen Kirchen in der Cidade Alta angesehen, rund um den Platz an dem gestern das Konzert war…und davon gibt es viele.



Allgemein werden in Brasilien viele Malereien verkauft, da sind oft sehr schöne dabei :)
Dann war gleich etwas Besonderes: Wir hatten gelesen, dass es hier in Bahia und speziell in Salvador eine Religion geben soll die viel Elemente von katholischem Christentum und afrikanischen Naturreligionen kombiniert, sie heißt Candomblé.

Die afrikanischen Sklaven hatten diese Religion kreiert, nachdem sie von den Portugiesen in die neue Welt gebracht wurden. Zunächst waren die Portugiesen da tolerant (mehr als zum Beispiel die Spanier in ihren Kolonien) aber später wurde auch diese Religion von ihnen verboten und die Messen mussten geheim weit außerhalb der Stadt abgehalten werden. Die Religion gibt es heute noch und sie ist nicht mehr verboten.

Eine solche Messe solle man wohl außerdem besuchen können. Das wollten wir gerne und haben uns über einige halbseriöse Handlanger (z.B. den guten Pater Heinz und seine Freunde) und den afro-brasilianischen Kulturverein endlich einen Termin am gleichen Abend und einen Ort nennen lassen wo es das wohl gibt. Eine fremde Religion und wir dürfen bei einer Messe anwesend sein, voll cool! Wie das wohl wird? Ob wir mit die einzigen sind die so was mal sehen dürfen?  Was ist da wohl anders? Erstaunlicherweise gab es sogar einen Fahrservice dahin und es kostet Geld. Ist das wirklich gut…?

Alles organisiert haben wir uns den Rest der Altstadt in Pelourinho gegeben…
Bunte kleine Häuschen säumen die Straβe, richtig toll



Ein HipHop-Konzert von ein paar Schulteams =)

Und das ist, genau, das Gesundheitsministerium






Das Konsulat von Holland...man beachte den abplätternden Putz

…ein leckeres Buffet bei einer Kochschule genossen und eine abenteuerliche Busfahrt von der Cidade Baixa zu einem schönen Leuchtturm im Stadtteil Barra organisiert…nachdem wir schon halb hingelaufen waren =)

Weiter unten: Die Cidade Baixa, die Unterstadt

Kontrast: Alt-Kolonial, daneben eingefallene Hochbauten

Ein Marinestützpunkt am Hafen



Am Leuchtturm war es richtig schön. 
Der Leuchtturm von Barra (gesprochen "Baha")


Links steht ein Mann auf einem groβen Surfbrett und paddelt :)


Neben dran war ein toller Strand an dem wir uns niedergelassen, ein paar Karten geschrieben und die schönen Dinge Brasiliens bewundert haben.
Als der Tag zur Neige ging hat uns noch ein nettes Hilfsorga-Mädel dabei bewundern dürfen wie wir mit einem fiesen Strandbarbesitzer darüber gestritten haben, ob er Gebühren für seinen Tisch verlangen dürfe ohne dass er davor was davon sagt oder schreibt. Halsabschneider.
Die Ersparnis durften die Straßenkinder einstreichen =)

Dann haben wir noch einen schönen Sonnenuntergang beim Leuchtturm gesehn, unsere Wäsche geholt und schon mussten wir am Hotel sein. Unser „Abholer“ für die Candomblé Messe kam ja schließlich bald.


Als er kam waren wir etwas Baff.
Dieser Mann könnte nicht nur 6 Sprachen fließend, nein er hatte auch schon den ganzen Minibus voller Touristen aus unterschiedlichen Ländern und gebrauchte sie fast alle. Was das wohl wird?

Dort angekommen wurde uns gesagt die Messe beginne nicht sofort, man fange an wenn man bereit sei. Klingt logisch.

Mit der Zeit hatte ich jedoch mehr das Gefühl man wartete auf die weiteren Touristen, es kamen nämlich neben uns noch nach und nach ungefähr 4 weitere Minibusse voller Touris, die anscheinend alle diese Messe bewundern wollten. Leider war es nicht erlaubt Fotos zu machen...

Am Ende gings los, in einem kleinen hellen Festsaal von dessen Decke dicht an dicht kleine Papierstreifen in Regenbogenfarben baumelten und so eine große Fläche ergaben die aussah wie ein weicher Teppich. In der Mitte des Saals stand ein kleines rundes Podest von der Höhe eines kleinen Kindes, das mit einer Art Krone von der Größe eines Gartentischs geschmückt war. Um dieses tanzten nun, zu langsamen Rhythmen einer Trommelgruppe, etwa 14 Frauen verschiedenen Alters die ausladende Kleider trugen. Links und rechts dieses Schauspiels standen hinter kleinen Mäuerchen die Touris und einige weitere Gläubige, fein getrennt nach Männlein und Weiblein. Im Hintergrund 3 thronartige unbesetzte Stühle.

Mit der Zeit wurden die Rythmen immer schneller und heftiger, die Damen liefen wahlweise durch einen kleinen Gang zwischen den Touris hindurch zu Ausgang um dort in einer tiefen Verbeugung (mit den riesen Kleidern gar nicht so einfach) den Fußboden zu küssen oder tanzten weiter immer schneller um das zentrale Podest.

Bald gerieten einige von ihnen in eine Art Trance und begannen mit geschlossenen Augen weiter zu tanzen, sich ab und an zu verbeugen, am ganzen Körper zu schütteln und in einer hohen Stimme zu schreien.

Auch ein Mann kam bald dazu und einige Gläubige aus dem „Publikum“ die auch in einen ähnlich Zustand geraten waren und dann nach innen geführt wurden.

Alles dauerte in etwa 2 Stunden und am Ende wurde in seltsam anmutenden Kostümen weiter getanzt, in denen sich die Frauen als eine Art Krieger mit gebastelten Helmen, kurzen Schwertern und Schilden verkleideten.

Als wir wieder gingen und fein säuberlich mit Handschlag und einem „Auf Wiedersehen“ an unserem Hotel wieder abgesetzt worden waren ging mir vieles durch den Kopf. Auf der Rückfahrt hatte ich von unserem Guide, selbst ein Weißer und auch Anhänger der Religion, noch erfahren, dass er das jeden Tag macht…außer Montags, da hat er frei. 

Was war das also? Was genau war da passiert? War ich gerade dabei, wie Menschen eines außergewöhnlichen Glaubens sich in eine Art Extase getanzt haben? War alles nur Show um Touris ein wenig (bzw. gar nicht sooo wenig) Geld aus den Rippen zu leiern?
Die Kostüme, der Gesang, ich habe versucht den Guide möglichst viel zu fragen, aber alles verstehe ich immer noch nicht.

Ich werde wohl noch etwas darüber nachdenken, doch eins weiß ich sicher – was es schlussendlich auch wirklich war, es war eine Erfahrung die ich weder erwartet hatte noch so bald vergessen werde.

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