Samstag, 21. Mai 2011

21.05.2011 – Die Mennoniten – Deutsche am anderen Ende der Welt

 
Relativ viel zum Lesen, aber es lohnt sich! 
 
Wir haben die Checkout-Zeit um 13.00 Uhr, was aber nicht heißen soll, dass wir nix zustande gebracht hätten. Der Arne hat sich schon um halb 8 an den Computer gesetzt, um das Informationsdefizit, unter dem ihr alle leiden müsst, weiter zu verringern. Auf Deutsch: Er hat Blog geschrieben.

Um die Mittagszeit sind wir dann aufgebrochen. Das Besondere an Filadelfia sind ja die hier ansässigen Mennoniten, deutsche Auswanderer, die teils seit 80 Jahren in Paraguay sind. Sie sind Protestanten, die sich als Täufer von den anderen Protestanten lossagten. Da sie die Taufe freiwillig machen wollten, wurden sie auch verfolgt. In Paraguay konnten sie bleiben und, was unserer Meinung nach sehr erstaunlich ist, ihre Kultur bewahren.
Es war nicht viel los auf den Straßen, es war Wochenende. Die Leute waren alle zu Hause oder bei einem Rodeo in einer der Nachbarstädte. Auch die Museen hatten geschlossen. Wir wären gerne in das Heimatmuseum gegangen, wo die Geschichte der Mennoniten sehr gut dargestellt sein soll. Wir sind also durch die Straßen gezogen und haben uns auf die Pirsch nach Mennoniten gelegt. Wir fanden ein  Mädchen in einem Gelände, auf dem es Kirche, Sportplatz, Schule und eine Schaukel gab. Die Kirche hatte auch zu und das Mädchen schien nicht besonders interessiert an einem Gespräch uns zu sein – sie sprach schon mal Deutsch, wenn auch mit einem russischen Akzent.

Wir sind weiter durch die Stadt bis wir auf einen älteren Mann trafen. Man hat ihn sehr schwer verstanden und er uns noch weniger. Trotzdem zeigte er uns, wo er wohnte (wie sich später herausstellte, in einer Art Heim), was er anbaute, und welche Arbeiten sonst noch so von den Heimbewohnern verrichtet werden.

Auf dem gleichen Gelände war noch ein anderer Mann, der gerade sein Auto wusch. Sehr gründlich. Wir gingen auf ihn zu, stellten uns vor und sagten ihm, dass wir mehr über die Mennoniten lernen wollten. Er war sehr freundlich und nett und fragte, was wir denn wissen wollten. Wir konnten ihn alles fragen, er wusste sehr viel und nahm sich Zeit für uns. Er sprach Hoch- und Plattdeutsch, mit uns zum Glück ersteres. Ich beschreibe jetzt einfach mal die Hauptpunkte des Gesprächs.

Die ausgewanderten Mennoniten haben seit jeher als Gemeinschaft zusammengehalten. Jeder von ihnen musste 30 Tage pro Jahr für die Gemeinschaft arbeiten. „Musste“ deswegen, weil man heute, wenn man das Geld dazu hat, auch andere Personen dafür bezahlen kann. Darunter leidet allerdings das Gemeinschaftsgefühl, da viele Menschen nicht mehr selbst Hand anlegen.

Die Kinder gehen zwölf Jahre in die Schule und lernen von klein auf Deutsch und Spanisch. Eine Universität gibt es nicht, viele junge Leute gehen deshalb nach Asuncion, gerade wenn sie ihr Geld nicht mit Landwirtschaft verdienen wollen.

Dann hat uns noch interessiert, warum sich die Mennoniten nicht mit den anderen hier lebenden Menschen vermischen, mit den Indianern zum Beispiel. Er sagte, dass die Kultur sehr verschieden sei. Bei den Indianern hat die Schwiegermutter das Sagen, damit muss man sich erst mal anfreunden=).

Ob er nach Deutschland zurückkehren wolle? Nein, es gefällt ihm gut hier. Er war schon in Deutschland. War er überrascht, wie es dort aussieht? Nein, da er in der Schule mit deutschen Schulbüchern aufgewachsen ist. Deutsche Dialoge, deutsche Geschichte, Bilder aus Deutschland.

Ansonsten geht’s ihnen gut, die Gemeinschaft wächst immer weiter, es kommen Deutschbrasilianer (die können allerdings kaum Deutsch), Indianer, Paraguayer (wegen den Arbeitsplätzen) und ab und zu andere Mennoniten aus Nachbarländern.

Dann ruft ihn seine Frau. Er soll aufhören sein Auto zu waschen und mit den Fremden zu plauschen und doch lieber noch einkaufen fahren. Der Mann verabschiedet sich freundlich und schwingt sich in seinen Pickup.

Ganz normale Menschen also, die Deutschen am anderen Ende der Welt.
Modernstes landwirtschaftliches Gerät
Das verstehen sogar wir=)
Das Heimatmuseum
Der hat gut gewirtschaftet...
Ziemlich Deutsch, oder!?
Das frisch gewaschene Auto
Wo darf's hingehen?
Stadtamt Filadelfia
Fabi

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